Skalierung – meine Beobachtung
Im Scrum Guide ist die Beschreibung auf den Ein-Team-Kontext festgelegt. Die Idee dahinter war sicherlich, dass sich in den jeweiligen sehr unterschiedlichen Kontexten selber Gedanken gemacht werden, wie die Herausforderungen in Multi-Team-Kontexten zu lösen sind. Allerdings scheint dies in der Praxis mehrheitlich nicht so zu funktionieren.
„Dann haben wir nochmal genauer betrachtet, welches Problem wir eigentlich lösen wollen und haben dann Abstand davon genommen, eines der üblichen Skalierungsframeworks zu implementieren.“
Das ist das beeindruckendste Statement, welches ich in letzter Zeit persönlich gehört habe. Sicher stehe ich dabei noch immer unter dem Eindruck eines der negativsten Beispiele für Skalierung, welches ich vor ca. 2 Jahren kennenlernen durfte. Eines der großen Beratungshäuser hatte dem Vorstand eines großen Software produzierenden Unternehmens eine gemischte Tüte Bonbons verkauft. Etwas SAFe, etwas Spotify, eine Portion OKR, geschüttelt nicht gerührt. Das Hauptproblem waren dabei nicht die einzelnen Bestandteile dieses Cocktails, oder gar das Top-Down-Anordnen, sondern die schlichte Tatsache, dass vergessen wurde, dies explizit als Startpunkt einer Entdeckungsreise zu deklarieren und Räume dafür zu schaffen, wo dieser Cocktail zu einem für die Organisation genießbaren Getränk verändert werden könnte.
Die Frage aber bleibt. Wie machen wir das jetzt mit mehreren Teams? Wie schaffen wir einen Rahmen, der ausreichend Orientierung für alle bietet und gleichzeitig uns die notwendige Businessagilität ermöglicht? Welche Alternativen gibt es zu den bekannten Skalierungsframeworks?
Eine Anregung neu zu denken

In seinem Buch „Innovative agile Teamkonzepte“ hat Stefan Roock den Startpunkt aufgrund seiner Beobachtung gesetzt, dass viele Implementierungen in Umgebungen, in denen mehrere Teams an einem Produkt arbeiten, sich eher wie die „Behörde für Agilität“ anmuten. Dabei sei schon vor Skalierungsframeworks wie LeSS oder SAFe erfolgreich in Multiteamkontexten zusammengearbeitet worden. Ihm geht es nicht um ein Bashing solcher Frameworks. Es gibt ja durchaus nachvollziehbare Gründe, warum sie gewählt werden, sondern um die Frage, wie man von solchen Startpunkten zu mehr Flexibilität und höherer Leistungsfähigkeit für das Unternehmen gelangt.
Das Managen von Abhängigkeiten ist dabei die größte Herausforderung. Das Ziel, diese immer effizienter zu gestalten. Ist aber damit das Ende der Fahnenstange erreicht? Nein! Im nächsten Schritt geht es darum, diese Abhängigkeiten zu betrachten und sie weiter zu reduzieren. Stefan Roock stellt dabei den „Agile Descaling Cycle“ vor.
Eine weitere spannende Möglichkeit ist, über gänzlich andere als die üblichen festen „statischen“ Teamstrukturen nachzudenken. Stefan Roock beschreibt Mobile Teams, Mission Teams und Floating Teams. Er legt dar, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit diese Teamkonstellationen erfolgreich sein können.
Das Buch besteht im groben aus einem leicht lesbaren Kurzroman, in dem Agile Coaches von der Geschäftsleitung vor die Herausforderung gestellt werden, die Leistungsfähigkeit der Teams zu erhöhen, um ein konkretes strategisches Ziel – den Vorstoß in einen neuen Absatzmarkt – dem Unternehmen zu ermöglichen und dabei das bestehende Geschäft nicht zu vernachlässigen. Dabei lernen sich die Protagonisten voran und wenden dabei die später noch im Buch genauer betrachteten Ideen selber an.
Der zweite Teil des Buches reflektiert eben diese von den Protagonisten angewendeten Konzepte.
Zusätzlich gibt es eine kommentierte Liste von Autoren und Werken, welche die Entstehung dieses Buches beeinflusst haben und welche für das eigene weiterführende Studium wertvoll sind.
Stefan Roock schließt mit der Feststellung:
„Es gibt nicht den perfekten und einzig richtigen Umgang mit übergreifenden Funktionalitäten. Die vier genannten Ansätze sollen das Spektrum veranschaulichen. Mischformen sind jederzeit möglich.“
Mein Fazit
Ein profunder Überblick über unterschiedliche neue Teamkonzepte, welche zum Nachdenken über den eigenen Kontext anregen und ein eindeutiges Plädoyer für wieder mehr „Inspect & Adapt“ sind. Klare Kaufempfehlung.
Das Buch „Innovative agile Teamkonzepte“ ist 2025 im dpunkt Verlag erschienen.
https://dpunkt.de/produkt/innovative-agile-teamkonzepte/